1. Der Börsenpreis ist nicht der Endpreis
Der Endpreis kann aus Energie, Netz, Abgaben, Steuern, Grundpreis und je nach Tarif weiteren Komponenten bestehen. Ein sehr niedriger Energiepreis bedeutet deshalb nicht zwingend einen ebenso niedrigen Gesamtpreis. Vor einem Tarifwechsel muss die veröffentlichte Preisformel verstanden werden.
Auch die Rückliefervergütung für PV-Strom kann zeitabhängig oder separat geregelt sein. Bezug und Einspeisung sollten nicht miteinander verwechselt werden.
- Tarifblatt und Messintervall prüfen.
- Fixe und variable Preisbestandteile trennen.
- Leistungspreise oder Spitzenentgelte berücksichtigen.
2. Welche Verbraucher sind wirklich flexibel?
Eine Batterie kann in günstigen Stunden laden, sofern kurz danach kein eigener PV-Überschuss erwartet wird. Eine Wärmepumpe kann Wärme vorproduzieren, wenn Speicher und Gebäude dies zulassen. Ein E-Auto kann innerhalb seines Anwesenheitsfensters laden. Haushaltsgrundlast ist dagegen kaum verschiebbar.
Flexibilität wird in kW, kWh und Zeit beschrieben: Wie viel Leistung kann aufgenommen werden, wie viel Energie muss bis wann bereitstehen und wie lange darf der Verbraucher pausieren?
3. Preis, PV-Prognose und Anschlussleistung verbinden
Eine gute Regelung entscheidet nicht nur nach Preis. Sie vergleicht Preisprognose, PV-Prognose, Batteriestand, Wärmespeicher, Fahrzeugziel und aktuelle Gebäudelast. Ein übergeordnetes Leistungslimit verhindert, dass mehrere Geräte gleichzeitig eine teure Spitze erzeugen.
Fallbacks sind wichtig: Bei fehlenden Preisdaten darf die Heizung nicht ausfallen und die Batterie muss ihre eigenen Schutzgrenzen einhalten.
- Preisgrenzen mit Hysterese verwenden, damit Geräte nicht ständig schalten.
- Mindestlaufzeiten für Wärmepumpen und andere Maschinen einhalten.
- Automatik übersteuerbar und nachvollziehbar gestalten.
4. Einsparung realistisch berechnen
Die mögliche Einsparung ergibt sich aus verschobener Energie mal Preisdifferenz, abzüglich Umwandlungsverluste, zusätzlicher Netzkosten und anteiliger Nutzung der Hardware. Bei einer Batterie kommen Zyklen und Alterung hinzu.
Ein Vergleich sollte mindestens ein volles Jahr mit saisonalen Profilen abbilden. Einzelne extreme Stunden sind kein belastbarer Wirtschaftlichkeitsnachweis.
| Faktor | Frage |
|---|---|
| Preisunterschied | Wie gross ist der All-in-Unterschied zwischen Lade- und Vermeidungszeit? |
| Verschiebbare Energie | Wie viele kWh können tatsächlich verlagert werden? |
| Wirkungsgrad | Welche Verluste entstehen bei Batterie oder Wärme? |
| Leistung | Entstehen neue Spitzen oder Anschlussprobleme? |
| Hardware | Ist sie ohnehin vorhanden oder nur für Tarifhandel nötig? |
5. Checkliste vor dem Tarifwechsel
Erst wenn Datenzugang, Tarifformel und Steuerbarkeit geklärt sind, sollte die Automatisierung geplant werden. Ein manueller Test über einige Wochen kann zeigen, ob das Verbrauchsprofil genügend Flexibilität besitzt.
- Smart Meter und Datenzugang vorhanden
- Zeitaufgelöster All-in-Tarif bekannt
- Batterie, Wärmepumpe, Wallbox oder andere Lasten steuerbar
- Maximale Anschlussleistung dokumentiert
- PV-Prognose und sichere Standardregeln eingerichtet
Quellen und Datenstand
- Eidgenössische Elektrizitätskommission ElCom – Strompreise und Marktinformationen
- Bundesamt für Energie (BFE) – Energie- und Solarstatistik
Aktualisiert: 12.07.2026. Tarife, Förderungen, Vorschriften und Mining-Werte vor einer Entscheidung aktuell prüfen.
